Lebendig
Der Vormittag fühlte sich leerer an als sonst.
Die Hitze lag schwer über allem und ließ selbst die Zeit langsamer werden. Und trotzdem fand sie keine wirkliche Ruhe. Etwas in ihr wartete. Geduldig, aber nicht mehr ganz still.
Ihre Gedanken schlugen Purzelbäume. Immer wieder spürte sie diese kleine Welle tief in ihrem Bauch, kaum merklich – und doch jedes Mal ein wenig deutlicher.
Die Musik, die sie für diesen Tag ausgewählt hatte, schien genau dafür gemacht. Mit geschlossenen Augen ließ sie sich von den Klängen treiben. Bilder entstanden, erst verschwommen, dann klarer. Gedanken wurden zu Gefühlen, Gefühle zu kleinen Szenen, die sie nicht mehr nur denken, sondern beinahe spüren konnte.
Und darunter brodelte es.
Dieses alte Feuer.
Lange hatte es sich mit einem Platz unter der Oberfläche begnügt. Doch heute schien es unruhiger zu werden.
Sie erinnerte sich daran, wie leicht es einmal gewesen war, es freizulassen.
Wie befreiend.
Wie lebendig.
Und wie oft sie diesen Zustand danach wiederfinden wollte.
Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Vielleicht war die eigentliche Frage längst nicht mehr, ob die Welle zurückkommen würde.
Sondern nur, wie lange es dauern würde, bis sie sich ihren eigenen Weg nach oben suchte. 🖤






